This time I have something which is very specific for the German academic system and it seems to me that writing in German is more appropriate here.

Die Berufung von Professoren ist ein aufwändiges und langwieriges Unterfangen. Es gibt viele Regeln zu beachten und viele Meinungen und Daten fließen ein. Insgesamt soll “der/die beste Kandidat/in” die Stelle bekommen. Die Entscheidung basiert am Ende auf dem Votum der Kommission die sich ihre Meinung auf Grund der Eckdaten der Bewerbung und des Lebenslaufes, des persönlichen Eindrucks bei der Vorstellung und auf dem Votum externer Gutachter bildet. Das alles kostet viel Zeit und Arbeit. Außerdem kann das ganze Verfahren schnell unter den Verdacht kommen, dass persönliche Beziehungen eine zu große Rolle spielen könnten und dass am Ende nicht immer “der/die Beste” genommen wird (obwohl es umfangreiche Regeln zum Ausschluss von Befangenheit gibt). Man stelle sich vor, es gäbe eine zentrale Stelle, die mit viel Aufwand und geschultem Personal Daten über Nachwuchswissenschaftler sammelt:

  • Wer hat was publiziert? Wer wird wie oft zitiert?
  • Wer trägt auf welchen Konferenzen und Workshops vor? Und wer wird von wem eingeladen?
  • Was denken die führenden Köpfe, wer die großen Nachwuchstalente sind? Was denken die Nachwuchskräfte über sich gegenseitig?
  • Wer hat wieviel Drittmittel eingeworben? Wer hat welche Kooperationen initiiert und welche Patente angemeldet?

All das lässt sich durch eine zentrale und unabhängige Stelle viel effizienter und auch viel objektiver erheben. Eine Berufungskommission könnte sich dann einfach und schnell eine fundierte Meinung bilden. Eine einfache Datenbankanfrage an die zentrale Stelle würde sofort eine Auskunft liefern, wer von den Kandidaten am besten da steht und die Auswahl aus den oft über fünfzig Bewerbungen wäre kaum noch Arbeit…

Würde das Verfahren funktionieren? Würde irgendjemand das Verfahren akzeptieren? Die Antwort auf diese rhetorischen Fragen fällt eindeutig aus: Eine solche zentrale Stelle wäre völliger Schwachsinn und die Informationen, die sie liefern könnte wären nutzlos. Einerseits sind die Kriterien sicherlich nicht gut gewählt: Publikationen in der “wissenschaftlichen Vanity-Press” zählen gleich viel wie ein Artikel in den Annals? Was ist mit interdisziplinären Arbeiten, die in leicht “fachfremnden” Zeitschriften erscheinen? Einladungen auf Konferenzen lassen sich durch Gegeneinladung erschleichen. Eine gute Reputation bekomme ich nur, wenn ich mich Gut-Freund mit den wichtigen Leuten mache – gute “Netzwerker” haben da natürlich einfacher, als “stille Wasser”. Man könnte natürlich versuchen, bei den Kriterien nachzubessern: Wir beziehen die Reputation einer Zeitschrift mit ein! Wir checken “Gegeneinladungen” und rechnen sie wieder heraus! Wir beziehen auch Zeitschriften in “angrenzenden Feldern” mit ein! Man merkt schnell, dass auch das Nachbessern zum Scheitern verurteilt ist: Wer legt denn die Reputation einer Zeitschrift fest? Gegeneinladungen sind nicht immer ein Zeichen von Gemauschel, sondern oft ganz natürlich und Ausdruck einer Kooperation. Welche Felder grenzen denn an und wo wird dann die Grenze gezogen?

Außerdem ist eine solche zentrale Stelle auch fundamental in Frage zu stellen: Ist es überhaupt machbar, Kandidaten neutral und objektiv zu Bewerten? Und was soll “objektiv” bedeuten, wenn doch jeder Lebenslauf verschieden und die Anforderungen an jede Stelle und an jeder Uni verschieden sind? Eine anerkannte, allgemeingültige Methode, um Kandidaten gegeneinander abzuwägen gibt es nicht. Eine standardisierte, zahlenbasierte Bewertung von Personen ist absurd. Eine derart komplexe Thematik lässt sich nicht durch ein automatisches Verfahren und einfach in Zahlen abbilden. Vom ethischen Aspekt ganz zu schweigen…

Schon mal was vom CHE Uni-Ranking gehört?