This is the last part of the lecture notes for the course in integral transforms.
1. Fourierreihen und das Abtasttheorem
Neben der Fourier-Transformation auf ,
,
und
sind auch analoge Transformationen für Funktionen
auf Rechtecken
interessant. Dies führt auf die sogenannten Fourierreihen. Mit ihrer Hilfe werden wir das Abtasttheorem beweisen
1.1. Fourierreihen in 
Wir betrachten vorerst eindimensionale Signale . Signale auf allgemeinen beschränkten Intervallen erhalten wir durch Skalierung und höherdimensionale Abbildungen werden wir durch “Tensorproduktbildung” behandeln können. In diesem Abschnitt werden wir uns alle Funktionen auf einem beschränkten Intervall (wie z.B.
) als periodisch auf ganz
fortgesetzt denken. Z.B. hat die Funktion
(auf
) für uns hier eine Sprungstelle bei
. Als Nebeneffekt können wir Integrale von periodischen Funktionen auch über verschobene Intervalle ausrechnen, wenn es sich anbietet, d.h. für
-periodisches
und jedes
gilt
Im Falle von Fourierreihen können wir, anders als im Fall der Fourier-Transformation, gleich im Hilbert-Raum beginnen. Wir statten ihn mit dem normalisierten Skalarprodukt
aus, welches die Norm
nach sich zieht.
Bei komplexen Fourier-Reihen wird eine Funktion als Reihe in den komplexen Exponentialfunktionen
geschrieben. Die Zahlen
heißen (komplexe) Fourier-Koeffizienten von .
Satz 1 Die Funktionen
bilden eine Orthonormalbasis von
. Insbesondere lässt sich jede Funktion
als Fourierreihe
schreiben, wobei die Reihe im
-Sinn konvergiert. Insbesondere gilt
Beweis: Die Orthonormalität der lässt sich elementar nachrechnen. Um zu zeigen, dass die
eine Basis bilden, zeigen wir, dass die lineare Hülle der
dicht in
liegt. Nach dem Weierstraßschen Approximationssatz für trigonometrische Polynome existiert für jede stetige Funktion
und jedes
ein trigonometrisches Polynom
, so dass
. Es folgt
Da die stetigen Funktionen in dicht liegen, lässt sich auch jede
-Funktion beliebig gut durch trigonometrische Polynome approximieren und wir sehen, dass die
eine Basis bilden. Die Reihendarstellung und die Parseval Identität sind eine direkt Konsequenz aus allgemeinen Aussagen über Orthonormalbasen in Hilbert-Räumen.
Mit Hilfe des oben definierten Skalarproduktes kann man die Fourier-Entwicklung auch schreiben als
was noch einmal deutlicher herausstellt, dass es sich bei den um eine Orthonormalbasis handelt.
Das summierbare Folgen Nullfolgen sind, ist folgt aus der Parseval-Identität:
Korollar 2 (Riemann-Lebesgue-Lemma für Fourier-Reihen) Für die Fourier-Koeffizienten
einer Funktion
gilt
Bemerkung 3 (Reelle Fourier-Koeffizienten) Über die Eulersche Formel lassen sich auch “reelle” Fourier-Koeffizienten bestimmen. Diese sind
und
Für reellwertige Funktionen sind die
und
reellwertig. Ist
gerade (d.h.
) gilt
, ist
ungerade (
), so gilt
.
Bemerkung 4 Für Funktionen in
definieren wir das Skalarprodukt
Die Funktionen
bilden hier eine Orthonormalbasis und mit den Fourier-Koeffizienten von
![]()
gilt
Auf einem
-dimensionalen Rechteck
definieren wir die Funktion
durch
und erhalten eine Orthonormalbasis in
bezüglich des Skalarproduktes
1.2. Punktweise Konvergenz von Fourier-Reihen
Die Konvergenz der Fourier-Reihe einer -Funktion in
-Sinne ist (mit Hilfe des Weierstraßschen Approximationssatzes) nicht sehr schwierig zu zeigen. Im Allgemeinen kann die Konvergenz von Fourier-Reihen sehr schwierig sein. Wir gehen in diese Richtung nicht allzu sehr in die Tiefe. Wir wollen die Partialsummen der Fourier-Reihen betrachten, d.h. zu
die Funktion
Wir beginnen mit dem Faltungsatz für Fourier-Reihen:
Lemma 5 (Fourier-Koeffizienten der periodischen Faltung) Es seien
(
-periodisch auf
fortgesetzt). Die periodische Faltung von
und
ist
und es gilt:
d.h. die Fourier-Koeffizienten der Funktion
sind (bis auf den Vorfaktor) die Produkte der Fourier-Koeffizienten von
und
.
Beweis: Mit dem Satz von Fubini folgt
Die Partialsummen lassen sich als Faltung schreiben:
Satz 6 Es sei
und zu
definieren wir
Dann gilt mit dem Dirichlet-Kern
dass
Beweis: Das Ergebnis lässt wie folgt erahnen: Sind die Fourier-Koeffizienten von
und ist
(
),
(
), so ist
Auf Grund der vorigen Lemmas vermuten wir also, dass es sich bei um die Funktion
handelt. Das stimmt in der Tat: Mit Hilfe der geometrischen Summe folgt für
Mit folgt
Nun rechnen wir
Satz 7 (Punktweise Konvergenz der Fourier-Reihe von differenzierbaren Funktionen) Es sei
differenzierbar (periodisch fortgesetzt auf
und dabei in
ebenfalls differenzierbar). Dann gilt für jedes
![]()
Beweis: Aus der Darstellung folgt direkt, dass
Es gilt
Die Funktion ist in jedem
stetig, und lässt sich nach
durch
stetig fortsetzen, insbesondere ist
eine
-Funktion. Es gilt also
Nach dem Riemann-Lebesgue-Lemma (Korollar 2) geht die rechte Seite für gegen Null und es folgt die Behauptung.
Bemerkung 8 Ein genauer Blick auf den Beweis offenbart, dass sich die Voraussetzungen in obigem Satz abschwächen lassen: ist die Funktion
eine Funktion für die das Riemann-Lebesgue-Lemma gilt (d.h. die Fourier-Koeffizienten gehen gegen Null), so konvergiert die Fourier-Reihe von
im Punkt
. Das Riemann-Lebesgue-Lemma gilt nicht nur für
-Funktionen, sondern auch für integrierbare (d.h.
) Funktionen. Dies folgt zum Beispiel aus Aufgabe 25: Eine Funktion
lässt sich durch Null-Fortsetzung zu einer Funktion
machen. Dann gilt
Die Stetigkeit von
in
ist allerdings nicht genug, um die Konvergenz der Fourier-Reihe in
zu garantieren; es gibt mehr oder minder explizite Gegenbeispiele, siehe z.B. Kapitel II, Abschnitt 2 in “An Introduction to Harmonic Analysis” von Yitzhak Katznelson. In eben diesem Buch ist auch das Ergebnis von Kolmogorov zu finden, dass es eine
-Funktion gibt, deren Fourier-Reihe überall divergiert. Dass der Raum
hier speziell ist, zeigt das Carleson-Hunt-Theorem, dass die Fourier-Reihe einer
-Funktion (mit
) fast überall konvergiert.
1.3. Das Abtasttheorem
Zur Diskretisierung werden kontinuierliche eindimensionale Signale üblicherweise mit einer konstanten Abtastrate
abgetastet, das heißt, es werden die Werte
gespeichert.
Unter welchen Umständen die Abtastwerte die gesamte Information des Signals beinhalten, zeigt der nächste Satz:
Satz 9 (Abtasttheorem nach Shannon-Whitakker) Es seien
und
so, dass
für
. Dann ist
durch die Werte
bestimmt und es gilt mit
für alle
die Rekonstruktionsformel
Beweis: Der Trick in diesem Beweis besteht darin, dass sich sowohl als Element in
als auch in
auffassen lässt. Wir können also sowohl die Fourier-Transformation als auch die Fourierreihe von
betrachten. Da
in
liegt, liegt es ebenfalls in
. Damit ist
stetig und die Punktauswertung von
ist wohldefiniert. Wir benutzen die Rekonstruktionsformel der Fourier-Transformation und erhalten
(beachte ). Die Werte
bestimmen also die Werte
und da
ist, auch die ganze Funktion
. Damit ist gezeigt, dass
durch die Werte
bestimmt ist. Um die Rekonstruktionsformel zu zeigen, entwickeln wir
in seine Fourierreihe und beachten dabei, dass wir für
mit der charakteristischen Funktion
einschränken müssen:
Da die inverse Fourier-Transformation stetig ist, können wir sie an der Reihe vorbeiziehen und bekommen
Mit Hilfe der Rechenregeln für die Fouriertransformation und der bekannten Transformierten der charakteristischen Funktion ergibt sich
Die Kombination mit der vorhergehenden Formel zeigt die Behauptung.
Bemerkung 10 Im obigen Fall nennen wir
die Bandbreite des Signals. Die Bandbreite gibt an, welches die höchste Frequenz in dem Signal ist. In Worten gesprochen sagt das Abtasttheorem das Folgende: Hat ein Signal Bandbreite
, so muss es mit der Abtastrate
abgetastet werden, um alle Informationen des Signals zu speichern.
Wir benutzen hier das Wort “Frequenz” nicht in dem Sinne, in dem es in den Ingenieurwissenschaften häufig benutzt wird. Dort wird typischerweise die Kreisfrequenz
benutzt. Ebenso ist dort die Variante der Fourier-Transformation mit dem Term
verbreitet. Damit liest sich die Aussage des Abtasttheorems: Hat ein Signal Frequenzen bis zu einer maximalen Kreisfrequenz
, so muss es mit der Abtastrate
abgetastet werden, um alle Informationen des Signals zu speichern. In anderen Worten: Man muss doppelt so schnell wie die höchste Kreisfrequenz abtasten. Man nennt die Abtastrate
auch Nyquist-Rate.
1.4. Der Alias-Effekt
Der Alias-Effekt ist das, was in diesem Bild oder auch bei Aufrufen von “plot(sin(1:5000),’.')” in MATLAB zu sehen ist. Das diskrete Bild, beziehungsweise Signal, entspricht nicht dem Originalsignal. Es tauchen Frequenzen in der diskreten Version auf, die im Original nicht enthalten sind. Sie stehen als “Alias” für die richtigen Frequenzen.
Im vorhergehenden Abschnitt haben wir gesehen, dass dieser Effekt nicht auftreten kann, wenn das Signal hoch genug abgetastet wurde. Wie genau der Alias-Effekt entsteht und wie man ihn beheben kann, wollen wir in diesem Abschnitt verstehen.
Wir benötigen ein weiteres Hilfsmittel:
Lemma 11 (Poisson-Formel) Es sei
und
so, dass entweder die Funktion
oder die Reihe
konvergiert. Dann gilt für fast alle
![]()
Beweis: Wir definieren die Periodisierung von als
Ist , können wir die Funktion durch ihre Fourierreihe darstellen. Die Fourier-Koeffizienten sind
Also ist die Fourierreihe
im -Sinn konvergent, woraus die Behauptung folgt. Andersherum konvergiert obige Fourierreihe, wenn die Koeffizienten
quadratsummierbar sind und die Behauptung folgt ebenfalls.
Bemerkung 12 Im Spezialfall
erhalten wir die bemerkenswerte Formel
die die Werte von
und
in Beziehung setzt. Diese lässt sich auch als Aussage über die Fourier-Transformierte des sogenannten Dirac-Kamms auffassen: Der Dirac-Kamm zu
ist eine (temperierte) Distribution, definiert durch
(vgl. Aufgabe 16). Die Poisson-Formel gilt insbesondere für Schwartz-Funktionen
, und daher können wir (1) schreiben als
Aus der Definition der Fourier-Transformation für temperierte Distributionen folgt also
Die Fourier-Transformierte eines Dirac-Kamms ist also wieder ein Dirac-Kamm. Insbesondere ist
ein weiterer Fixpunkt der Fourier-Transformation (neben der Gauß-Funktion).
Nun wenden wir uns genauer dem Abtasten zu. Mit Hilfe von Distributionen formuliert, können wir das diskret mit der Rate abgetastete Signal mit Hilfe eines Dirac-Kamms darstellen:
Ist unendlich oft differenzierbar (und nicht zu schnell wachsend), so ist der Ausdruck für
genau das Produkt von
mit einem Dirac-Kamm:
Der Zusammenhang von und
erschließt sich über die Fourier-Transformation.
Beweis: Die Fourier-Transformation von ist uns schon bekannt
Deshalb ist aufgrund der Poisson-Formel (Lemma~11)
In Worten sagt das Lemma, dass die Fourier-Transformation des abgetasteten Signals einer Periodisierung mit Periode der Fourier-Transformation des Original-Signals entspricht.
In dieser Sprechweise können wir die Rekonstruktionsformel aus dem Abtasttheorem~9 auch als Faltung interpretieren:
Auf der Fourier-Seite heißt das formal
Hat seinen Träger im Intervall
, entsteht bei der Periodisierung kein Überlapp und
entspricht genau
.
Hat allerdings einen größeren Träger, so hat der Träger von
für mehrere
einen Schnitt mit
. Dieses “Zurückklappen” im Frequenzbereich ist für den Alias-Effekt verantwortlich.
Beispiel 14 (Abtasten von harmonischen Schwingungen) \index{index}{Abtasten} Wir betrachten eine harmonische Schwingung
Die Fourier-Transformation ist
Das Signal hat also formal die Bandbreite
. Wenn wir eine andere Bandbreite
annehmen und das Signal entsprechend mit der Rate
abtasten, erhalten wir auf der Fourier-Seite \begin{equation*} \widehat{u_d} = \tfrac{\pi}{B}\sqrt{\tfrac{\pi}{2}} \sum_{k\in{\mathbb Z}} (\delta_{\xi_0-2kB} + \delta_{-\xi_0-2kB}) \end{equation*} Das Rekonstruieren nach dem Abtasttheorem~9 bedeutet, den Träger von
auf das Intervall
einzuschränken. Um zu verstehen, was das für das Signal bedeutet, müssen wir untersuchen, wie sich dieses Einschränken auf die Reihe auswirkt.
Überabtasten: Nehmen wir eine zu große Bandbreite an, tasten wir das Signal zu schnell ab. Von den Termen in der Reihe für
liegen genau diejenigen mit
im Intervall
. Es gilt
Das heißt,
und wir rekonstruieren das Signal perfekt.
Unterabtasten: Nehmen wir eine zu kleine Bandbreite an, so tasten wir das Signal zu langsam ab. Von den Termen der Reihe liegen wieder genau zwei im Intervall
, nämlich
und
. Das heißt, es gilt
Wir rekonstruieren also das Signal
Die Rekonstruktion ist wieder eine harmonische Schwingung, aber mit einer anderen Frequenz. Durch Unterabtasten werden hohe Frequenzen
durch niedrige Frequenzen in
dargestellt.
Bemerkung 15 (Abtasten in 2D) Eine einfache Verallgemeinerung des Abtasttheorems und der Erklärung des Alias-Effekts in zwei Dimensionen erhalten wir durch Bildung des Tensorproduktes: Es sei
so, dass die Fourier-Transformation
ihren Träger in Rechteck
hat. In diesem Fall ist
durch die Werte
bestimmt und es gilt die Formel
Ein diskret auf einem Rechteckgitter mit den Abtastraten
und
abgetastetes Bild schreiben wir als
Der Zusammenhang mit dem kontinuierlichen Bild
schreibt sich mit der Fourier-Transformation
Auch hier tritt der Alias-Effekt auf, falls das Bild nicht bandbeschränkt ist oder zu niedrig abgetastet wurde. Zusätzlich zur Änderung der Frequenz tritt hier auch eine Änderung der Richtung auf.
Beispiel 16 (Unterabtasten, Verhindern des Alias-Effektes) Haben wir ein diskretes Bild
gegeben und wollen die Größe um den Faktor
verringern, so liefert das
. Auch bei dieser Unterabtastung erhalten wir wieder einen Alias-Effekt. Um diesen zu verhindern, sollte vor der Unterabtastung ein Tiefpassfilter
angewendet werden, um die Frequenzen zu eliminieren, die durch den Alias-Effekt als falsche Frequenzen rekonstruiert werden. Es bietet sich an, diesen Filter als perfekten Tiefpass mit der Breite
zu wählen, d.h.~
.
2. Abschließende Bemerkungen
Jetzt, wo wir den Vorlesungsstoff hinter uns haben, blicken wir noch einmal auf die vier Transformationen zurück. Es stellt sich heraus, dass sowohl -Transformation und Fourier-Reihen, als auch bei Laplace-Transformation und Fourier-Transformation jeweils eng zusammenhängen:
Konvergent im Kreisring .
Inversion: :
“Inversion”:
Ist also , dann gilt
mit anderen Worten: Die -Transformation entlang des Einheitskreises entspricht der Fourier-Reihe.
Anstelle des Abfallverhaltens der Folge bei der
-Transformation tritt bei den Fourier-Reihen eine “Summierbarkeitsbedingung” an die Fourier-Koeffizienten. Als Konsequenz erhält man nicht immer eine Funktion, die sich komplex-differenzierbar über den Einheitskreis hinaus fortsetzen lässt, dafür ist die Konvergenz auf dem Einheitskreis auf verschiedene Arten nachweisbar (z.B. punktweise oder in
).
gültig für .
Ist , so gilt (mit
für
)
Mit anderen Worten: Die Laplace-Transformation entlang der imaginären Achse ist die Fourier-Transformation.
Ebenso wie beim Zusammenhang von -Transformation und Fourier-Reihen ist wird “Abfallverhalten bei
” für die Laplace-Transformation durch Integrierbarkeitsanforderungen bei der Fourier-Transformation ersetzt. Es handelt sich auch hier (ebenso wie oben) um zwei verschiedenen Zugänge zu fast identischen Transformationen. Im Fall der Laplace-Transformation ermöglicht die exponentielle Beschränkung, dass es sich bei der Transformierten um eine komplex differenzierbare Funktion handelt. Im Fall der Fourier-Transformation erhält man kaum Regularität der Transformierten, aber dafür (im
-Fall) die gleiche Art der Integrierbarkeit und damit eine praktische Symmetrie von Hin- und Rücktransformation.