This term I am teaching “Integraltransformation” and plan to put my lecture notes here. Since the lecture is German, the notes are also in German. Here is the first part:
1. Einleitung
Obwohl diese Vorlesung “Integraltransformationen” heißt, behandelt sie nicht nur solche, sondern auch anderen Arten von Transformationen. Konkret behandeln wir:
- die
-Transformation,
- die Laplace-Transformation,
- die Fourier-Transformation,
- Fourier-Reihen
und gegebenfalls noch
- die Wavelet-Transformation,
- die gefensterte Fourier-Transformation,
- die Hilbert-Transformation,
- die Zak-Transformation.
Die grundlegende Idee bei all diesen Transformationen ist es, einem mathematischen Objekt (zum Beispiel einer Funktion) ein anderes mathematisches Objekt zuzuordnen, welches die Information die das Objekt trägt in anderer Weise kodiert. Dieses neue Objekt kann es dann erlauben, bestimmte Eigenschaften einfacher abzulesen, oder es ist manchmal möglich, bestimmte Änderungen am Objekt in übersichtlicherer Weise darzustellen.
Obwohl alle genannten Transformationen mathematisch interessant und sehr hilfreich sind, haben sie ein Anwendungsfeld, welches nicht nur zur Motivation dient, sondern auch bei der Interpretation eine gute Hilfestellung bietet:
1.1. Signalverarbeitung
Unter einem Signal kann man verschiedenes verstehen – es geht auf jeden Fall um etwas, was Information kodiert und zur Übertragung von einer Stelle an eine andere geeignet ist. Dies kann zum Beispiel sein:
- ein Schallsignal wie es vom MP3-Player durch das Kopfhörerkabel geleitet wird,
- eine Folge von Bits wie sie durch das Netzwerkkabel vom Computer geleitet wird,
- eine elektromagnetische Welle wie sie vom Handy zum Funkmast gesendet wird, oder auch
- ein digitales Bild wie es auf der Speicherkarte eine Digitalkamera abgelegt wird.
Signale werden grob unterteilt:
- Analoge Signale: Das “Signal” ist eine Funktion auf einem kontinuierlichen Definitionsbereich, hier ein kontinuierliches Zeitintervall. Beispiele sind das Schallsignal oder die elektromagnetische Welle.
- Digitale Signale: Das “Signal” ist eine (endliche oder unendliche) Folge von Werten, wie die Bitfolge oder das Digitalbild.
Man könnte auch noch nach dem Wertebereich unterscheiden (ist er diskret, wie bei der Bitfolge und dem Bild, oder kontinuierlich, wie beim Schallsignal). In dieser Vorlesung wird diese Unterscheidung keine Rolle spielen – unsere Signale haben immer kontinuierliche Werte (meist reelle oder komplexe Zahlen).
Eine zentrale Frage der Signalverarbeitung ist es, wie aus analogen Signalen digitale Signale gewonnen werden und wie der umgekehrte Weg beschritten werden kann. Die Thematik läuft unter dem Namen “Abtasten” und “Interpolieren” (innerhalb der E-Technik auch AD- und DA-Konversion; Analog-Digital bzw. Digital-Analog). Weitere Aufgaben sind die Abwandlung/Bearbeitung von Signalen oder auch die Kompression.
Wir werden zwar keine Signalverarbeitung im eigentlichen Sinn behandeln, aber es wird im Folgenden hilfreich sein, sich der Intuition zu bedienen, dass es sich bei den auftretenden Funktionen und Folgen um kontinuierliche bzw.~diskrete Signale handelt.
1.2. Etwas Notation
Wir bezeichen mit die natürlichen Zahlen (inklusive Null), mit
die ganzen Zahlen, mit
die reellen und mit
die komplexen Zahlen.
Eine Funktion bezeichnen wir auch als komplexwertiges kontinuierliches Signal. Eine Abbildung
nennen wir auch reellwertiges diskretes Signal (auch
wird so genannt). Analog sind natürlich reellwertige kontinuierliche Signale und komplexwertige diskrete Signale zu verstehen. Im Falle von diskreten Signalen benutzen wir auch die Schreibweise
(wie bei Folgen üblich).
Mit bzw
bezeichnen wir die
-dimensionalen Vektorräume und notieren die euklidschen Normen darauf mit
(was nicht zu Verwechselungen mit dem Betrag auf
und
führen sollte).
Die komplexe Konjugation von bezeichnen wir mit
, den Real- und Imaginärteil von
mit
bzw.
.
1.3. Literatur
Literatur zum Inhalt dieser Vorlesung gibt es reichlich, z.B.
- Strampp, W., Voroztsov, E.V., Mathematische Methoden der Signalverarbeitung, Oldenbourg, 2004
- Föllinger, O., Laplace-, Fourier- und
-Transformation, VDE-Verlag, 2011
- Doetsch, G., Einführung in Theorie und Anwendung der Laplace-Transformation, Birkhäuser Verlag, 1958
- Damelin, S.B., Miller, Jr., W., The Mathematics of Signal Processing, Cambridge University Press, 2012
- Vich, R.,
-Transformation: Theorie und Anwendung,Verlag Technik, 1964
- Frey, T., Bossert, M., Signal- und Systemtheorie,Vieweg+Teubner, 2008.
2. Die
-Transformation
Die -Transformation macht aus einem diskreten Signal eine holomorphe Funktion. Neben ihrer Anwendung auf diskrete Signale eignet sie sich auch zur Untersuchung von Differenzengleichungen.
Interpretieren wir den Index einer Folge
als diskrete Zeit, so lassen sich diskrete Signale in Kategorien aufteilen: Die Signale die eine “Vergangenheit” haben und die, die nur “von jetzt ab” existieren und noch die, die “nur in der Vergangenheit” existieren.
Definition 1 (Kausale, antikausale und akausale Folgen) Eine zweiseitige Folge
heißt kausal, wenn
für
gilt. Sie heißt antikausal, wenn
für
gilt. Gilt keins von beiden, heißt sie akausal.
Eine (einseitige) Folge bezeichnen wir ebenfalls als kausal.
2.1. Definition und elementare Eigenschaften
Definition 2 (
-Transformation) Für kausale Folge
definieren wir die
-Transformierteals
Die Abbildung
heißt
-Transformation. Für zweiseitige Folgen
definieren wir analog die zweiseitige
-Transformationdurch
In der Funktionentheorie haben wir gelernt, wie die Konvergenzbereiche von -Transformierten aussehen:
Proposition 3 (Konvergenzgebiete von
-Transformierten) Zu einer Folge
existiert
, so dass
auf der Menge
absolut und lokal gleichmäßig konvergiert. Zu einer zweiseitigen Folge
existieren
, so dass
auf der Menge
absolut und lokal gleichmäßig konvergiert. Die Fälle
sind zugelassen und bedeuten, dass keine untere, bzw.~obere Schranke für
besteht.
Man beachte, dass der Fall ein leeres Konvergenzgebiet bedeutet. Im Zusammenhang mit der zweiseitigen
-Tranformation nennt man den Teil
den kausalen Teil (was bis auf den
-ten Term dem Hauptteil der Laurentreihe
entspricht) und den Teil
den antikausalen Teil. Das Konvergenzgebiet von
ist genau der Schnitt der Konvergenzgebiete des kausalen und antikausalen Teils.
Proposition 4 Existieren für eine zweiseitige Folge
Konstanten
und
, so dass für
gilt
dann Konvergiert
für
.
Beweis:Aus (für
) folgt
und daher auch
Die Potenzreihe konvergiert nach dem Wurzelkriterium also für
, d.h. der kausale Teil von
konvergiert für
. Ebenso sieht man, dass für
gilt
und also auch
. Die Potenzreihe
(der antikausale Teil von
) konvergiert also für
.
Die Wachstumsbedingungen und
(
) garantieren bei
also die Konvergenz einer zweiseitigen
-Transformierten auf einem Kreisring in der komplexen Ebene. Natürlich konvergieren einseitige
-Transformierte außerhalb einer Kreisscheibe um den Nullpunkt bei entsprechenden Wachstumsbedingung.
Die -Transformation ist unter anderem geeignet, um Differenzengleichungen zu lösen:
Beispiel 5 (Differenzengleichungen und die
-Transformation) Wir betrachten die berühmte Fibonacci-Folge
, welche rekursiv definiert ist:
Natürlich lässt sich für jedes
der Wert von
rekursiv bestimmen. Unter einer “Lösung der Differenzengleichung (1)” verstehen wir allerdings eine explizite Darstellung von
in Abhängigkeit von
. Wir wollen nun beide Seiten von (1)
-transformieren. Dazu definieren wir die Hilfsfolge
durch
,
und berechnen
Ebenso berechnen wir für
Wir
-Transformieren nun die Gleichung (1)und erhalten (unter Benutzung der Werte
und
)
was wir nach
auflösen können
An dieser Stelle müssen wir eine Folge
finden, die die Funktion
als
-Transformierte hat. Mit Hilfe der Funktionentheorie ist dies möglich. Wir unterbrechen das Beispiel kurz, für einen Satz, der die Koeffizienten einer
-Transformierten angibt.
Satz 6 (Umkehrung der
-Transformation) Es gelte
für
und es sei
. Dann gilt
das heißt, die Folge
wird durch die
-Transformation in
überführt. Außerdem ist
die einzige solche Folge.
Beweis:Die -Transformierte der Folge
ist
Wir multiplizieren diese Gleichung mit und integrieren beide Seiten über die Kreislinie
: Da wir auf Grund der gleichmäßigen Konvergenz entlang des Weges gliedweise Integrieren dürfen ergibt sich
Mit
folgt . Die Eindeutigkeit der Folge
ist analog zur Eindeutigkeit der Taylor-Koeffizienten.
Beispiel 7 (Fortsetzung des Fibonacci-Beispiels) Wir müssen also die Funktion
betrachten. Es liegen zwei Pole vor die wir als Nullstellen
des Nenners berechnen:
Wir benutzen nun Satz~6und wählen ein
und berechnen
Mit dem Residuensatz bekommen wir
Explizit erhalten wir die geschlossene Form der
-ten Fibonacci-Zahl
Diese Formel ist auch unter dem Namen “Formel von Moivre-Binet” bekannt. (Ein anderer Beweis dieser Formel stellt die Fibonacci-Folge durch Matrix-Potenzen dar und benutzt die Diagonalisierung der Matrix zur expliziten Darstellung der Einträge der Potenzen.)
Am Beispiel der Fibonacci-Folge haben wir nicht nur die Umkehrformel aus Satz~6, sonder auch schon deren Linearität und einen “Verschiebungssatz” benutzt. Wir sammeln diese und weitere solcher Eigenschaften im folgenden Satz:
Satz 8 (Elementare Eigenschaften der einseitigen
-Transformation) Die
-Transformierte der Folge
habe den Konvergenzbereich
. Für die einseitige
-Transformation gilt:
- Linearität: Für Folgen
und
und
gilt
falls
in beiden Konvergenzbereichen von
und
liegt.
- Konjugation: Es gilt
- Dämpfung: Für
,
und mit
gilt für
![]()
- Differentiation: Für
und
gilt
- Linksverschiebung: Für
,
setze
,
(also
). Dann gilt für
![]()
- Rechtsverschiebung: Für
,
setze
(also
). Dann gilt für
Beweis:
- Linearität folgt aus der Linearität der Reihenbildung.
- Dämpfung rechnet man direkt nach:
- Konjugation rechnet man ebenso direkt.
- Differentiation zeigt man, indem man mit
startet und Differentiation mit der Reihenbildung vertauscht (lokal gleichmäßige Konvergenz!):
Beachte noch, dass gliedweise Differentiation den Konvegrenzbereich unverändert lässt.
- Linksverschiebung rechnet man wie folgt nach:
- Rechtsverschiebung geht noch ein bisschen einfacher:
Für die zweiseitige Transformation gelten analoge Regeln, nur bei der Verschiebung wird es einfacher und wir können die “Zeit”
umkehren:
Satz 9 (Weitere Regeln für die zweiseitige
-Transformation) Die
-Transformierte der zweiseitigen Folge
konvergiere für
. Dann gilt:
- Verschiebung: Für
setze
. Dann gilt für
- Zeitumkehr: Mit
gilt für
-
Beweis: In beiden Fällen sind das elementare Rechnungen, die sich zur Übung lohnen.
2.2. Rechenbeispiele
Wir werden im Folgenden häufig die etwas laxe Schreibweise
anstelle von
benutzen, d.h. anstelle der Folge
setzen wir “das
-te Folgenglied” ein. Das erspart ein wenig Schreibarbeit und ist manchmal klarer. So wir die Dämpfungsregel zum Beispiel zu
Beispiel 10 (“Einheitssprung”) In der Signalverarbeitung ist der Einheitssprung die Folge, die bei
vom Wert Null auf Eins springt, d.h.
Die zweiseitige
-Transformierte des Einheitssprunges ist
Die ist ebenfalls die einseitige
-Transformierte der konstanten Folge
,
, d.h.
.
Beispiel 11 (Komplexe Exponentialfolge) Zu
schließen wir mit der Dämpfungsregel und dem vorherigen Beispiel
Beispiel 12 (Einsatz der Ableitungsregel) Wegen
schließen wir (wieder aus der bekannten Transformierten des Einheitssprunges)
Beispiel 13 Zu
mit
suchen wir die Urbildfolge zur
-Transformierten
Es gilt
Wir wissen schon
und schließen mit der Linearität und der Regel für die Rechtsverschiebung
2.3. Faltungssatz und Anwendung
Definition 14 Für zwei zweiseitige Folgen
und
ist die Faltungvon
und
definiert durch
(wann immer die Reihe konvergiert).
Bemerkung 15 Die Konvergenz der Reihe in der Definition der Faltung ist unter vielen verschiedenen Umständen gesichert (zum Beispiel, falls eine Folge absolut summiertbar ist, muss die andere nur beschränkt sein und ein Wachstum der einen Folge für
kann durch entsprechenden Abfall der anderen Folge ausgeglichen werden). Sind die beiden Folgen
und
zum Beispiel absolut summierbar, so ist auch
absolut summierbar, denn
Weiterhin sieht man durch Indexsubstitution, dass die Faltung eine kommutative Operation ist:
Assoziativität ist nicht immer erfüllt. Um dies zu sehen, betrachten wir
und
:
Beide Ausdrücke sind gleich falls wir die Reihen vertauschen dürfen, was zum Beispiel für absolut summierbare Folgen
,
und
der Fall ist. Es zeigt sich also, dass sich absolut summierbare Folgen gut mit der Faltung vertragen. Wir führen daher ein:
Der Raum
ist ein Vektorraum der üblicherweise mit der Norm
versehen wird; damit wird er zum normierten Raum (und, da er vollständig ist, sogar zum Banach-Raum). Die Faltung erfüllt auch ein Distributivgesetz, so dass wir festhalten können:
bildet mit der Addition und der Faltung als Produkt eine kommutative und assoziative Algebra. Es gibt hier auch ein Einselement
, d.h. ein neutrales Element bzgl. der Faltung, nämlich
Beispiel 16 Falten mit
verschiebt das Signal:
Falten mit
bildet einen lokalen Mittelwert über die
Nachbarn:
Filtern mit dem Einheitssprung
(aus Beispiel 10) liefert eine kumulative Summe:
Ist die Faltung eine umkehrbare Operation? Das heißt, kann man die Gleichung
nach
auflösen? Anders gesagt: Gibt es zu
ein “Faltungsinverses”? Im Allgemeinen nicht, aber wann das geht, kann man mit Hilfe des Faltungssatzes erkennen.
Der Faltungssatz für die
-Transformation sagt, dass die
-Transformation die Faltung in eine punktweise Multiplikation überführt:
Satz 17 (Faltungssatz für die
-Transformation, zweiseitig) Die (zweiseitigen)
-Transformierten der zweiseitigen Folgen
und
konvergieren für
. Dann gilt ebenfalls für
Beweis:Wir beginnen von der rechten Seite. Da die jeweiligen Reihen absolut konvergieren, können wir umsortieren:
Setzen wir kausale Folgen im Faltungssatz sein, erhalten wir den Spezialfall für einseitige Folgen:
Korollar 18 (Faltungssatz für die
-Transformation, einseitig) Die
-Transformierten der Folgen
und
konvergieren für
. Dann gilt mit der Definition
ebenfalls für
Beispiel 19 (Entfaltung) Es seien
und
zweiseitige Folgen und
. Nach
-Transformation können wir die Gleichung formal nach
auflösen, denn nach dem Faltungssatz gilt
und daher
. Wir nehmen nun an, dass das Konvergenzgebiet von
jenes von
umfasst (welches wir als
annehmen). Hat nun
keine Nullstellen in
, so ist
dort komplex differenzierbar (insbesondere hat es keine Pole). In der Tat handelt es sich bei
um eine
-Transformierte. Unter Umständen handelt es sich bei
auch um eine
-Transformierte; die zugehörige Folge könnte man dann als “Faltungsinverse” von
bezeichnen. Wir machen dies an einem Beispiel konkret: Wir betrachten die Faltung mit dem Einheitssprung
(Beispiel 10). Dieser hat die
-Transformierte
Der Kehrwert davon ist
Die inverse
-Transformierte davon lässt sich aus bekannten
-Transformierten bestimmen oder raten: Es gilt
und
Die inverse
-Transformierte von
ist also
.
2.4. Differenzengleichungen
Nun behandeln wir noch das Lösen von Differenzengleichungen etwas ausführlicher. Zuerst definieren wir Differenzen und Partialsummen von Folgen und geben dann Rechenregeln für die zugehörigen
-Transformierten an:
Definition 20 Zu einer Folge
definieren wir die erste Differenz
,
und die Partialsumme
.
Satz 21 Die
-Transformierte von
konvergiere für
. Es gilt
(und konvergiert ebenfalls für
) und
(und konvergiert für
)
Beweis:Die erste Gleichung folgt aus der Regel für die Linksverschiebung und der Linearität
Für die zweite Gleichung rechnen wir direkt
Bemerke, dass die mittlere Doppelreihe (und somit auch die anderen Ausdrücke) absolut und lokal gleichmäßig konvergieren für
.
Der Differenzenoperator und der Partialsummenoperator entsprechen grob der Ableitung und dem Integral für Funktionen auf der reellen Achse.
Beispiel 22 (Differenz und Ableitung) Ist eine Folge durch “Abtasten” einer Funktion
mit “Abtastrate”
gegeben, so schreiben wir (unter Missbrauch der Notation)
. Dann gilt
Für
(mit der Kopplung
) konvergiert die rechte Seite gegen
. Wir betrachten nun die Differenzengleichung
und berechnen die Lösung mit Hilfe der
-Transformation. Es ergibt sich
und daher
Die Lösung ist also
Im Grenzwert
(wieder bei Kopplung
) erhalten wir den Grenzwert
wie es auch zu erwarten wäre.
Lineare Differenzengleichung (auch höherer Ordnung) lassen sich prinzipiell mit Hilfe der
-Transformation lösen. Hier noch ein paar Beispiele:
Beispiel 23
- Wir betrachten
mit
und
.
-Transformation ergibt
also
damit
Um die inverse
-Transformierte zu bestimmen, benutzen wir die Partialbruchzerlegung
und bekommen
Die invers
-Transformierten lassen sich nun ablesen:
- Als weiteres Beispiel betrachten wir
mit den Anfangsbedingungen
.
-Transformation ergibt
also (nach Bestimmung der Nullstellen von
)
Partialbruchzerlegung von
gibt
und mit Hilfe von bekannten
-Transformierten und den Rechenregeln können wir die Lösung ablesen:
2.5. Zur Umkehrung der
-Transformation
In Satz~6haben wir ein Ergebnis zur Umkehrung der einseitigen
-Transformation formuliert: Ist
die
-Transformierte von
mit Konvergenzgebiet
, dann gilt für jedes
Für die zweiseitige
-Transformierte ist die Situation ein klein wenig komplizierter, und es stellt sich heraus, dass es zu einer Funktion
durchaus mehrere Folgen geben kann, deren
-Transformierte sie ist. Der Grund dafür sind die etwas komplizierteren Konvergenzgebiete, die bei der zweiseitigen Transformation aus Kreisringen und nicht aus Komplementen von Kreisen bestehen.
Wir betrachten ein Beispiel:
Beispiel 24 Es sei
Der Nenner hat die Nullstellen
und
. Es gibt nun drei Möglichkeiten, ein Konvergenzgebiet festzulegen, nämlich:
,
und
.
Jedes Konvergenzgebiet gehört zu einer anderen zweiseitigen Folge. Um diese Folgen zu berechnen, zerlegen wir
als
Wir entwickeln die Summanden
nun auf zwei verschiedene Arten in Reihen: Einerseits ist
Die erste Reihe konvergiert für
, die zweite für
. Für beide Summanden haben wir jeweils zwei Möglichkeit, wobei eine auf ein leeres Konvergenzgebiet führt (
und
). Die relevanten drei Möglichkeiten ergeben:
Wir halten fest: Für eine gegebene Funktion
erhalten wir eine Invers-
-Transformierte indem wir einen Kreisring wählen, in dem
komplex differenzierbar ist (insbesondere ohne Polstellen und wesentliche Singularitäten). Für einen Kreislinie mit Radius
die sich ganz im Inneren des Kreisrings befindet ergibt die Formel
die Folgenglieder der Invers-
-Transformierten. Dass diese Formel für verschiedene Radien
verschiedene Ergebnisse liefert liegt daran, dass das Integral nach dem Residuensatz den Residuendes Integranden innerhalb der Kreislinie entspricht; in Formeln:
Für Berechnungen lohnt es sich oft auf bekannte
-Transformierte zurückzugreifen, man muss dabei jedoch die Konvergenzgebiete entsprechend berücksichtigen.
2.6. Abschlussbemerkungen
Wir schließen die Behandlung der
-Transformation mit einigen Bemerkungen ab:
- Die
-Transformation hat einen Verwandten in der Mathematik: Die sogenannte erzeugende Funktioneiner Folge
. Diese ist
Sie unterscheidet sich von der
-Transformierte nur im den Exponenten des
und es gilt
. Sie hat vielerlei Anwendungen in der Kombinatorik und auch in der Wahrscheinlichkeitsrechnung.
- Die
-Transformierte wird auf Folgen angewendet und lässt sich für zum Beispiel für digitale Signale und für Differenzengleichungen einsetzen. Die Erweiterung auf Funktionen (d.h. analoge Signale) wird die Laplace-Transformation sein (mit welcher dann z.B. Differentialgleichungen gelöst werden können).
- Von besonderem Interesse sind beschränkte Folgen (in der Signalverarbeitung sind unbeschränkte Folgen als Signale nicht relevant). Zweiseitige beschränkte Folgen können durchaus ein leeres Konvergenzgebiet haben (wie schon das einfache Beispiel
zeigt) Sind
so kann entlang des “kritischen Kreises”
keine Aussage über die Konvergenz getroffen werden. Mit Hilfe von Fourier-Reihen werden wir diese Situation weiter untersuchen.
- Wir betrachten